Stärken und Schwächen des Internet-Manifests

Mit LinguLab führten wir eine Textanalyse am "Internet-Manifests" durch.

Es wird jetzt gerade viel diskutiert über die Inhalte des “Internet-Manifest“. Wer Thesen über Qualität im Journalismus und Urheberrecht aufstellt, muss mit Kritik und Gegenmeinungen rechnen. Doch wie sieht der Text des Internet-Manifest aus? Ist er stilistisch in Ordnung und online gerecht aufbereitet? Hier eine kurze Einschätzung:

Das Internet-Manifest im LinguLab-Test

Sieht gar nicht so schlecht aus: Immerhin 3, 5 Sterne.  Der Text ist durch die Zwischenüberschriften gut strukturiert und daher scanbar.  Allerdings fehlen Fettungen völlig.

Die Sprache ist OK, die Autoren schreiben nicht umständlich und verfallen nicht in den Nominalstil – aber verwenden zu viel Passiv. Was zu interessanten Aufschlüssen führen kann. Angestrichen wird u.a. dieser Satz:

“Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen.”

Hier auf das Passiv zu verzichten, hieße explizit hinzuschreiben, wen die Autoren hier im Verdacht haben, das Urheberrecht als Hebel zu missbrauchen. Das Angriffsziel, wohl die Medienhäuser und Verleger, wird nicht genannt – aber jeder kann es sich denken. Dieses Passiv ist also weniger ein stilistischer Ausrutscher, denn ein rhetorischer Kunstgriff: Viele dürfen sich angegriffen fühlen, keiner wird genannt.

Die größte Schwäche des Textes – laut LinguLab-Test? Er ist zu lang.