Aller Anfang ist schwer - so überwinden Sie Schreibblockaden

LinguLab bietet tolle Möglichkeiten, einen Text zu optimieren. Viele Stolperfallen, in die man als Schreiberling unbewusst hinein tappt, deckt dieses nützliche Tool auf. Praktische Hinweise machen klar, wo und wie der Text warum verbessert werden kann. Das ist alles gut und schön.

Doch: Was ist, wenn man vor dem leeren Bildschirm sitzt und es noch gar keinen Text gibt? 

Wie – verflixt noch mal!  - entsteht überhaupt ein Text? Sie möchten oder sollen etwas mitteilen… doch: Wo fangen Sie an? 

Ein Trost zuerst: Wenn Sie den Anfang haben, kommt der Rest oft fast von selbst. 

Wie schwer bzw. leicht es ist, einen Text zu schreiben, veranschaulicht eine einfache Übung:

Stellen Sie sich vor, in einem Land gab es bisher nur Feuerzeuge und Streichholz-Briefchen. Jetzt werden auch Streichholz-Schachteln eingeführt. Schreiben Sie eine Bedienungsanleitung für eine Streichholzschachtel, und benutzen Sie dafür maximal 50 Wörter.

Auflösung:
Lesen Sie Ihren Text einem Kollegen oder einer Kollegin vor, und bitte Sie ihn/sie, GENAU nach Ihren Anweisungen zu handeln. Meist passieren jetzt drei Dinge: 

  • Die Streichholzschachtel liegt verkehrt herum in der Hand und die Hölzer fallen alle heraus.
  • Oder das Streichholz wird mit der falschen Seite über die Reibfläche geführt. 
  • Oder das Streichholz wird „gestreichelt“, die Reibung reicht nicht um das Köpfchen zünden zu lassen.
Bild Katja Hinzberg
Katja Hinzberg, Fachwirtin Direktmarketing

So könnte es gehen:

Nehmen Sie die Streichholzschachtel in Ihre Hand. Die bunte Fläche zeigt dabei nach oben. Öffnen Sie die Schachtel, indem Sie die innenliegende Schublade aus der Hülle herausschieben. Entnehmen Sie ein Streichholz und führen Sie dessen Kopf schnell über die Reibfläche an den Längsseiten der Hülle. 45 Worte

Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie es war, als Sie den Führerschein gemacht haben? Alles war fürchterlich kompliziert. Sie mussten an so viele Dinge denken: Kupplung treten beim Schalten, auf den Verkehr achten, Gas und Bremse mit dem rechten Fuß, Kupplung mit dem linken...

Genau so machen wir es heute auch: Gehen Sie Schritt für Schritt den Weg zu einem guten Text. Auf den ersten Blick erscheint Ihnen das sehr kompliziert und vor allem viel zu langwierig. Sie werden denken, dass Sie neben Ihrer täglichen Arbeit bestimmt nicht die Zeit haben werden, diese Schritte alle auszuführen, wenn Sie einen Text schreiben.
Doch keine Sorge: So wie beim Autofahren geht Ihnen das bald in Fleisch und Blut über, und Sie entwickeln eigene Abkürzungen, die Sie zum Ziel, zu einem guten Text führen. Wir sind unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Stärken, und jeder von Ihnen weiß selbst am besten, wo diese Stärken liegen.
Deshalb zeige ich Ihnen den sicheren Weg, Stück für Stück, und Sie entscheiden selbst, welche Schritte Sie nachher zusammenfassen oder gar auslassen können, weil sie für Sie selbstverständlich sind. 

Schritt für Schritt

Sie sehen auf Ihre Dokument-Vorlage auf dem Bildschirm und wissen, dass Sie sie mit Leben, mit Inhalt füllen müssen. Sie kennen den Vorgang ganz genau, Sie wissen, was Sie sagen möchten, aber Sie finden den Anfang nicht.

Wenn Sie diese Situation gut kennen, dann hilft nur eines: Überlegen Sie sich drei Dinge: 

  • Was ist die Kernaussage des Textes, die Botschaft? 
  • Über welche Zwischenschritte erreiche ich diese Botschaft? 
  • Welches Ziel möchte ich erreichen? (Soll der Leser handeln, überzeugt sein, oder informiert?)

Beispiel aus der kaufmännischen Korrespondenz

Nehmen wir ein Beispiel aus der kaufmännischen Korrespondenz: Die Kernaussage Ihres Textes könnte z.B. sein: Du Kunde hast zu wenig bezahlt. Wir wissen nicht warum. Bitte informiere uns telefonisch oder per e-Mail. Wir möchten das klären, bevor wir mahnen. 

Die Zwischenschritte sehen dann so aus: 

  •  Bestellung vollständig geliefert und Rechnung über 25€ hat beigelegen
  •  am 12. 8.  Zahlungseingang über 15€  
  •  keine Reklamation erhalten
  •  10 € seit 4 Wochen fällig
  •  warum hat er Geld abgezogen
  •  schnelle Antwort erwünscht
  •  was Nettes zum Abschluss

Das Ziel wäre also: Schnelle Information und Aufklärung. Und was Sie erreichen möchten, ist klar: Das Konto „glatt“ stellen und den Kunden halten. 
Prüfen Sie nun, ob Sie die einzelnen Zwischenschritte in der richtigen Reihenfolge aufgelistet haben. Die Lieferung kam vor dem Zahlungseingang, also gehört sie auch im Text dorthin. Die hoffentlich nächste Bestellung kommt nach dem offenen Konto-Posten, also gehört sie auch an den Schluss des Textes usw. Wie ist es abgelaufen, wie war es? In der gleichen Reihenfolge gehört es in den Text.

Schema für den Rohtext

Kernaussage/ des Textes  soll sein:


Folgende Zwischenschritte/ Anlaufpunkte möchte ich abarbeiten:

1.

2.

3.

4.

5.

Mein Ziel ist:

 

Vom Schema zum ersten Text

Dann fangen Sie einfach an und arbeiten Ihre Zwischenschritte ab. Den Einstieg in den Text und den Schluss können Sie auch nachher noch einfügen. Die moderne Textverarbeitung macht’s möglich, dass Sie das Geschriebene nachher beliebig umstellen, streichen und ergänzen können. Schreiben Sie erst einmal einfach alles auf. 

Tipp: Das hat einen entscheidenden psychologischen Vorteil: Sie müssen nicht aus zwei Quellen sortieren – aus Ihrem Kopf und aus dem, was schon auf dem Bildschirm steht.  Sie haben alles, was Sie sagen wollten, schwarz auf weiß vor sich stehen. Und mit dem, was Sie sehen, können Sie grundsätzlich leichter arbeiten als mit dem, was Sie häppchenweise im Kopf haben. 

Bitte arbeiten Sie nun Zwischenschritt für Zwischenschritt aus Ihrer obigen Aufstellung ab, indem Sie einen oder zwei grob formulierte Sätze dazu schreiben – so, als ob sie jetzt den Text formulieren würden. 

Und schon haben Sie ein erstes Text-Gerüst, das Sie nun mit LinguLab verfeinern und optimieren können. Herzlichen Glückwunsch!

Wir danken Frau Hinzberg für diesen Gastbeitrag.